Die Möglichkeit der Vertraulichkeit bei der Einreichung des Jahresabschlusses beim Handelsregistergericht

Jede Gesellschaft muss innerhalb einer Frist von grundsätzlich 6 Monaten nach Abschlussstichtag eine Gesellschafterversammlung abhalten, in der u.a. über die Gewinnverwendung entschieden wird. Einen Monat nach dieser Gesellschafterversammlung müssen der Gewinnverwendungsbeschluss und der Jahresabschluss beim Handelsregistergericht eingereicht werden. Jede Person hat dann die Möglichkeit, den Jahresabschluss der Gesellschaft gegen eine niedrige Gebühr (ca. 10 EUR) beim Handelsregistergericht anzufordern. Diese Möglichkeit hat schon immer viele Unternehmen gestört, u.a. weil Konkurrenten somit viele Informationen bekommen können.

Heutzutage gibt es zwei Situationen, in denen Unternehmen für die Vertraulichkeit ihres Jahresabschlusses sorgen können: sie müssen hierzu entweder ein Klein- oder ein Mikrounternehmen sein. In diesem Fall muss zwar der Jahresabschluss eingereicht werden, jedoch können ausschliesslich bestimmte öffentliche Stellen den Jahresabschlusses einsehen, jedoch nicht mehr jeder Dritte.

Die sogenannten „Kleinunternehmen“

Das Gesetz Nr. 2015-990 vom 06. August 2015 hat die Wahlmöglichkeit der Vertraulichkeit bei der Einreichung des Jahresabschlusses für die sogenannten „Kleinunternehmen“ eingeführt. Kleinunternehmen sind diejenige, die zwei von den drei folgenden Schwellwerten nicht überschreiten: EUR 4 Millionen Bilanzsumme; EUR 8 Millionen Nettoumsatz; 50 Arbeitnehmer. Die Vertraulichkeit betrifft hier jedoch ausschliesslich die Gewinn- und Verlustrechnung, jedoch nicht den Rest der Jahresabschlusses.

Die sogenannten „Mikrounternehmen“

Das Dekret Nr. 2014-1189 vom 15. Oktober 2014 hatte bereits die Wahlmöglichkeit der Vertraulichkeit bei der Einreichung des Jahresabschlusses für sogenannte „Mikrounternehmen“ geschaffen. Das sind solche Unternehmen, die zwei der drei folgenden Schwellwerte nicht überschreiten: EUR 350.000 Bilanzsumme; EUR 700.000 Nettoumsatz; 10 Arbeitnehmer. Im Gegensatz zur oben erläuterten Möglichkeit betrifft die Vertraulichkeit hier den gesamten Jahresabschluss.

Ausdrücklich ausgenommen von den beiden oben genannten Regelungen sind jedoch folgende Unternehmen, selbst wenn sie die Schwellwerte nicht erreichen: Kreditinstitute, Finanzierungsgesellschaften, Erst- und Rückversicherungen (in beiden Situationen), sowie Holdinggesellschaften (nur für die Mikrounternehmensregelung) und Unternehmen, die Teil einer Gruppe sind, welche einen Konzernabschluss erstellt (nur für die Kleinunternehmensregelung).

Sofern Sie Fragen zu den Vorschriften im Rahmen der Gesellschafterversammlung, gleich welcher Gesellschaftsform, oder zur hier dargestellten Möglichkeit der Vertraulichkeit der Offenlegung haben, stehen Ihnen die deutschsprachigen Experten des German Office von KPMG gerne zur Verfügung.