Der französische Allgemeine Kontenplan

Frankreich ist historisch gesehen ein zentralisiertes Land, in dem es für den Staat zum Selbstverständnis gehört, eine ganze Reihe von Themen bis ins Detail einheitlich und verbindlich vorzugeben. Dies gilt auch für den Kontenplan seiner Unternehmen: französische Unternehmen müssen ihre lokalen Bücher unter Beachtung des französischen Allgemeinen Kontenplans (Plan Comptable Général – „PCG“) führen.

Einschränkend sei hier gleich erwähnt, dass es neben dem Allgemeinen Kontenplan für bestimmte Branchen (insbesondere Kreditinstitute und Versicherungen) gesonderte Kontenpläne gibt, die ebenfalls bis ins Detail genormt sind.

Typischerweise sind Kontonummern in Frankreich 6 bis 10 Zeichen lang und bestehen ausschließlich aus Zahlen. Der PCG sieht für alle Arten von Geschäftsvorfällen bestimmte Kontennummernformate vor. Die führenden Nummern sind dabei wie folgt vorgegeben:

1: Eigenkapital, Fremdkapital und Rückstellungen

2: Anlagevermögen

3: Vorratsvermögen

4: Konten mit Drittbezug (insb. Forderungen und Verbindlichkeiten)

5: Finanzielle Konten

6: Aufwand

7: Ertrag

8: außerbilanzielle Verpflichtungen (und Ansprüche)

Der PCG schreibt innerhalb dieser großen Kategorien die konkret zu verwendenden Kontenklassen bis auf die dritte bis fünfte Stelle vor. Beispielsweise müssen Verbindlichkeiten aus Lieferung und Leistung auf einem Konto vom Typ 401xxx erfasst werden, wohingegen Forderungen aus Lieferung und Leistung auf einem Konto vom Typ 411xxx landen müssen, zweifelhafte Forderungen auf einem Konto vom Typ 416xxx und Wertberichtigungen auf einem Konto vom Typ 491xxx. Allgemein gilt die Systematik, dass Konten, die typischerweise einen Saldo mit gegenläufigem Vorzeichen im Vergleich zu benachbarten Konten aufweisen, eine 9 an zweiter oder dritter Stelle führen, beispielsweise bilanzielle Wertminderungskonten; Bilanzkonten für planmäßige Abschreibungen sind an der 8 an zweiter Stelle erkennbar, usw.

Die Aufwands- und Ertragskonten folgen zudem einer zumindest teilweisen Symmetrie: die 0 an zweiter Stelle signalisiert einen Bezug zur Hauptgeschäftstätigkeit, die 6 zum Finanzergebnis, die 7 zum außerordentlichen Ergebnis, die 8 zu Zu- und Abschreibungen, die 5 zu sonstigen operativen GuV-Positionen.

Neben all diesen Zahlenspielen, die vor allem in der täglichen Praxis von Buchhaltern, Steuerberatern und Wirtschaftsprüfern große Wichtigkeit haben, hat die Verwendung des PCG auch Auswirkungen auf das Unternehmen als Ganzes, insbesondere in steuerlicher Hinsicht. So verlangt die Finanzverwaltung seit 2014 bei ihren Betriebsprüfungen systematisch die Vorlage der sogenannten FEC-Datei (siehe German Office Newsletter Nr. 8). Diese Datei muss alle Buchungen des geprüften Zeitraums enthalten und einer Reihe von Formvorschriften genügen, deren wichtigste wohl lautet: sie muss den PCG beachten. Sollte die Finanzverwaltung der Auffassung sein, dass die Formvorschriften für die Vorlage der FEC-Datei nicht eingehalten werden, kann sie eventuelle Steuernachforderungen um 10% erhöhen oder die Mindeststrafe von 5.000€ verlangen. Gut zu wissen: französische Niederlassungen ausländischer Gesellschaften, die also keine eigene Rechtspersönlichkeit in Frankreich besitzen, sind zwar von der Beachtung des PCG befreit, müssen aber dennoch eine FEC-Datei vorlegen können, die die restlichen Vorschriften befolgt.

Sollten Sie Fragen zu den praktischen Aspekten des französischen Allgemeinen Kontenplans haben, insbesondere in Hinsicht auf die Integration in Ihre Konzernkontenpläne, zum Konten-Mapping oder zur FEC-Datei, stehen Ihnen Ihre Ansprechpartner vom German Office gerne zur Verfügung.